In Korbach kam es in zwei Fällen zu sogenannten Schockanrufen, bei denen Betrüger Seniorinnen Schmuck und Gold im Wert von mehreren zehntausend Euro ergaunerten. Die Täter setzten die Opfer mit erfundenen Geschichten unter Druck, um an Wertgegenstände zu gelangen. Die Kriminalpolizei Kassel hat die Ermittlungen übernommen und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.
Modus Operandi der Betrüger
Die Betrüger kontaktierten die Seniorinnen telefonisch und erzählten ihnen, dass nahe Angehörige in einen schweren Unfall verwickelt seien. In beiden Fällen wurde behauptet, die Tochter der Angerufenen habe eine junge Frau tödlich verletzt und müsse nun eine hohe Kaution zahlen, um einer Haftstrafe zu entgehen. Dabei gaben sich die Anrufer als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder andere Amtspersonen aus und übten erheblichen Druck auf die Seniorinnen aus.
Erster Fall am 12. und 13. März
Im ersten Fall kontaktierte eine weibliche Stimme am Abend des 12. März gegen 23:00 Uhr eine Seniorin in Korbach. Die Anruferin schilderte in weinerlichem Ton einen schweren Unfall und übergab das Telefon an einen Mann, der sich als „Herr Wachmann vom K1“ vorstellte. Er berichtete von dem Unfall und der angeblichen Festnahme der Tochter. Die Seniorin wurde angewiesen, niemandem von dem Telefonat zu erzählen und auf einen Anruf des Staatsanwalts zu warten.
Am nächsten Morgen meldete sich ein Anrufer, der sich als „Staatsanwalt Dr. König“ ausgab. Er forderte die Frau auf, Gold aus ihrem Bankschließfach zu holen und es einem angeblichen „Herrn Kowalski“ am Korbacher Obermarkt zu übergeben. Die Seniorin folgte den Anweisungen und übergab gegen 10:00 Uhr Goldbarren im Wert von mehreren zehntausend Euro. Erst später wurde ihr klar, dass sie Opfer eines Betrugs geworden war.
Der Geldabholer wurde als etwa 35 bis 40 Jahre alt, auffallend klein, mit kurzen dunklen Haaren und Dreitagebart beschrieben. Er trug dunkle Kleidung.
Zweiter Fall am 18. und 19. März
Eine weitere Seniorin wurde am 18. März gegen 14:00 Uhr telefonisch von einem angeblichen Polizisten kontaktiert, der ebenfalls von einem tödlichen Unfall berichtete, den ihre Tochter in Berlin verursacht haben soll. Auch hier wurde eine Kautionszahlung gefordert, um die Haft zu verhindern. Die Betrüger setzten die Frau unter Druck und ermahnten sie zur Verschwiegenheit.
Am 19. März holte die Seniorin erneut Gold aus ihrem Schließfach und übergab es zusammen mit Schmuck im Wert von mehreren zehntausend Euro an einen Abholer in der Humboldtstraße in Korbach. Die Frau wurde misstrauisch, als sich die Anrufer nicht wie versprochen wieder meldeten, und informierte die Polizei sowie ihre Tochter.
Der zweite Geldabholer wurde als etwa 170 cm groß, schlank, mit kurzen schwarzen krausen Haaren und Bart beschrieben. Er trug schwarze Kleidung.
Ermittlungen und Zeugenaufruf
Die Ermittlungsgruppe SÄM der Kriminalpolizei Kassel führt die Untersuchungen zu den Fällen. Die Polizei bittet Zeugen, die am 13. März gegen 10:00 Uhr am Korbacher Marktplatz oder am 19. März gegen 12:00 Uhr in der Humboldtstraße verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben, sich unter der Telefonnummer 0561-9100 zu melden.
Polizei warnt vor Betrugsmasche und gibt Verhaltenstipps
Die Polizei Korbach warnt eindringlich vor der Masche der Schockanrufe. Dabei geben sich die Täter als Amtspersonen aus und erfinden dramatische Geschichten, um die Opfer zur Herausgabe von Geld oder Wertgegenständen zu bewegen. Die Polizei weist darauf hin, dass echte Behörden niemals telefonisch Kautionszahlungen fordern oder zu Verschwiegenheit auffordern.
Empfohlen wird, bei unerwarteten Anrufen, die Geldforderungen oder sensible Daten betreffen, sofort aufzulegen und sich mit einer Vertrauensperson zu beraten. Auch sollte man die Polizei über den Notruf 110 informieren und niemals Geld an unbekannte Personen übergeben.
Im Zweifelsfall sollten Betroffene selbstständig die Telefonnummer der angeblichen Behörde recherchieren und dort anrufen, um die Echtheit des Anrufs zu überprüfen.
Opfer sollten Anzeige erstatten
Wer Opfer solcher Betrugsversuche geworden ist, wird gebeten, sich umgehend an die Polizei zu wenden und Anzeige zu erstatten. Nur durch eine schnelle Meldung können weitere Straftaten verhindert und Täter möglicherweise gefasst werden.

