Im Rahmen eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens wegen schwerer Wirtschafts- und Finanzkriminalität haben Staatsanwaltschaft Düsseldorf und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) am Donnerstag eine großangelegte Durchsuchungsaktion durchgeführt. Dabei wurden europaweit 49 Wohnungen und Geschäftsräume in sechs Ländern durchsucht. Über 400 Ermittler waren an dem Einsatz beteiligt, der sich insbesondere auf den Raum Düsseldorf konzentrierte.
Vorwürfe gegen Immobilienentwickler und weitere Beschuldigte
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein 61-jähriger deutscher Immobilienentwickler aus Düsseldorf, gegen den unter anderem Vorwürfe des Bankrotts, Betrugs, der Untreue sowie der Verletzung der Buchführungspflicht erhoben werden. Die Straftaten sollen überwiegend im Zusammenhang mit dem Privatinsolvenzverfahren des Hauptbeschuldigten stehen. Nach aktuellem Ermittlungsstand wird ein Schaden im hohen zweistelligen Millionenbereich vermutet.
Nach Angaben der Ermittler besteht der Verdacht, dass der Hauptbeschuldigte vor der Antragstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wesentliche Vermögenswerte aus seinem Privatvermögen auf andere Personen übertragen haben soll. Zudem wird untersucht, ob er sämtliche Vermögenswerte vollständig und korrekt angegeben hat. Weitere Beschuldigte werden beschuldigt, an diesen Handlungen beteiligt gewesen zu sein. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurden keine weiteren Details zu den weiteren Tatverdächtigen veröffentlicht.
Festnahmen in Spanien und Nordrhein-Westfalen
Im Zuge der Maßnahmen wurden zwei Haftbefehle des Amtsgerichts Düsseldorf vollstreckt. Der Hauptbeschuldigte wurde am frühen Morgen gegen 6 Uhr in seinem Anwesen auf der spanischen Baleareninsel Ibiza festgenommen. Ein weiterer 66-jähriger Beschuldigter wurde in einem Wohnhaus in Leichlingen in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Beide Männer sollen noch am selben Tag einem Haftrichter vorgeführt werden.
Europaweite Durchsuchungen mit Unterstützung von Eurojust
Die Durchsuchungen erfolgten zeitgleich in Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Spanien. Neben Wohnungen wurden auch Geschäftsadressen durchsucht. Insgesamt waren über 250 Polizeibeamte aus Nordrhein-Westfalen, 22 Staatsanwälte sowie weitere Unterstützungskräfte an den Maßnahmen beteiligt. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen koordinierte die operativen Einsätze maßgeblich.
Ermittlungen und Beweissicherung dauern an
Im Rahmen der Durchsuchungen konnten umfangreiche Beweismittel sichergestellt werden, darunter Mobiltelefone, Computertechnik sowie zahlreiche Geschäftsunterlagen und Dokumente. IT-Forensiker des LKA sicherten mehrere Terabyte an digitalen Daten. Die Auswertung dieser Daten sowie der übrigen Asservate wird voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Darüber hinaus gelang es den Ermittlern, Vermögenswerte im Wert von mehreren Millionen Euro zu sichern. Dazu zählen unter anderem Bargeld, Kunstgegenstände, Luxusuhren, Handtaschen sowie ein Luxussportwagen der Marke Lamborghini.
Ermittlungen laufen weiter – Unschuldsvermutung gilt
Die Ermittlungen befinden sich weiterhin in einem frühen Stadium. Weitere Auskünfte wurden von Seiten der Staatsanwaltschaft und des LKA zurückhaltend gegeben, um die laufenden Verfahren nicht zu gefährden. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beschuldigten.
Die Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung von Wirtschafts- und Finanzkriminalität (ZeFin NRW) bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf führt die Ermittlungen gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Die Behörden kündigen an, die Öffentlichkeit bei weiteren Entwicklungen zeitnah zu informieren.

