Unter dem Motto „Kein Raum für Missbrauch“ lud die Polizeiinspektion Goslar kürzlich rund 30 Erzieherinnen aus dem Landkreis zu einer Präventionsveranstaltung ein. Ziel war es, Fachkräfte aus Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen für das Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren und ihnen Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Sexuelle Gewalt als gesellschaftliches Tabuthema
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bleibt in vielen Bereichen ein Tabuthema. Die Polizei Goslar verfolgt mit der Kampagne „NICHT WEGSCHIEBEN“ das Ziel, dieses Thema aus der Tabuzone zu holen und stärker in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken. Die Veranstaltung richtete sich speziell an Erzieherinnen, die aufgrund ihrer Arbeit eine Schlüsselrolle im Schutz von Kindern einnehmen.
Frühe Prävention und Sensibilisierung
Stephani Gobernack, Beauftragte für Jugendsachen bei der Polizeiinspektion Goslar, betonte in ihrem Vortrag die Bedeutung von Prävention von klein auf. Kinder sollten sowohl zu Hause als auch in Kindertageseinrichtungen lernen, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu benennen, Grenzen zu erkennen und zu kommunizieren. Eltern und pädagogische Fachkräfte spielen hierbei eine zentrale Rolle, um sichere Räume zu schaffen, in denen Kinder sich wohlfühlen und Vertrauen aufbauen können.
Die KiTa, der Hort und später auch die Schule sollten Orte sein, an denen Kinder Ansprechpartner finden, denen sie sich anvertrauen können. Gobernack wies darauf hin, dass es für Erwachsene wichtig sei, das Thema nicht zu verdrängen, sondern aktiv Verantwortung zu übernehmen, da Kinder sich alleine nicht schützen können.
Handlungswege bei Verdachtsfällen
Im zweiten Teil der Veranstaltung informierte Kriminalhauptkommissarin Nadine Lüttge detailliert über die Abläufe, wenn Erzieherinnen einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch melden. Dabei arbeiten Polizei und Jugendamt eng zusammen, wobei das Kindeswohl stets oberste Priorität hat. Die polizeilichen Ermittlungen zielen darauf ab, Täterinnen oder Täter zur Rechenschaft zu ziehen, ohne die betroffenen Kinder unnötig zu belasten.
Aufklärung über Täterstrategien und Unterstützungsangebote
Ein weiterer Schwerpunkt war die Aufklärung über die Vorgehensweisen von Tätern, um die Aufmerksamkeit der Fachkräfte zu schärfen. Statistisch erfolgen rund 80 Prozent der Übergriffe im nahen Umfeld der Kinder, was die Bedeutung von Wachsamkeit im direkten sozialen Umfeld unterstreicht.
Die Kampagne „Schieb deine Verantwortung nicht weg!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch unterstützt diese Präventionsarbeit mit Informationsmaterialien wie Broschüren, Erklärfilmen und Plakaten. Kostenlose Angebote und Hilfeleistungen sind über das bundesweite Hilfe-Portal „Sexueller Missbrauch“ sowie das Hilfe-Telefon erreichbar.
Fazit und Ausblick
Die Veranstaltung der Polizeiinspektion Goslar zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Jugendämtern und pädagogischen Fachkräften ist, um Kinder effektiv vor sexueller Gewalt zu schützen. Durch frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung kann ein Umfeld geschaffen werden, in dem Kinder sicher aufwachsen und sich bei Bedarf Hilfe holen können.
Die Polizei Goslar plant, die Präventionsarbeit fortzusetzen und weitere Informationsveranstaltungen anzubieten, um das Thema kontinuierlich im öffentlichen Bewusstsein zu halten und Fachkräfte im Umgang mit Verdachtsfällen zu stärken.

