Die Polizeidirektion Lübeck hat die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 vorgelegt. Die Auswertung umfasst die Hansestadt Lübeck sowie den Kreis Ostholstein und zeigt insgesamt eine rückläufige Entwicklung der registrierten Straftaten. Insgesamt wurden 31.379 Fälle erfasst, was einem Rückgang von 6,13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Aufklärungsquote liegt mit 56,7 Prozent im Landesschnitt und spiegelt eine stabile Sicherheitslage wider.
Gesamtentwicklung und regionale Unterschiede
In der Hansestadt Lübeck wurde ein Rückgang der Straftaten um 5,35 Prozent auf 19.871 Fälle verzeichnet. Dies stellt den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre dar. Lübeck weist im Vergleich zu anderen kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins weiterhin das zweitniedrigste Risiko auf, Opfer einer Straftat zu werden. Im Kreis Ostholstein fiel der Rückgang mit 7,45 Prozent auf 11.508 registrierte Straftaten etwas deutlicher aus.
Eigentumsdelikte: Rückgang bei Diebstählen und Wohnungseinbrüchen
Diebstahlsdelikte bleiben die häufigste Straftatengruppe, zeigen jedoch insgesamt rückläufige Tendenzen. In Lübeck sank die Zahl der Eigentumsdelikte um 9,14 Prozent, in Ostholstein um 7,5 Prozent. Besonders hervorzuheben ist der deutliche Rückgang bei Wohnungseinbruchdiebstählen: In Lübeck verringerte sich die Zahl um 46,8 Prozent, in Ostholstein um 20,53 Prozent. Mehr als die Hälfte der Fälle blieben bei einem Versuch stehen, was auf wirksame Präventionsmaßnahmen, verbesserte Sicherheitstechnik und verstärkte internationale Zusammenarbeit zurückgeführt wird.
Ein Anstieg wurde hingegen bei Diebstählen und unbefugtem Gebrauch von Kraftwagen registriert. In Lübeck stieg die Zahl auf 68 Fälle, liegt aber weiterhin unter dem langjährigen Median von 79 Fällen. Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten beträgt 27,9 Prozent in Lübeck und 44,2 Prozent in Ostholstein.
Rohheitsdelikte und Gewalt gegen Polizeibeamte
Die Delikte aus dem Bereich der Rohheitsdelikte, die Raub- und Körperverletzungsdelikte umfassen, sind in beiden Regionen leicht rückläufig. Lübeck verzeichnete 4.037 Fälle (minus 3,84 Prozent), Ostholstein 2.101 Fälle (minus 4,5 Prozent). Bei der Gewalt gegen Polizeibeamte wurden in Lübeck 215 Fälle registriert, was einem Rückgang von 2,24 Prozent entspricht. In Ostholstein stiegen die Fälle von 72 auf 87. Insgesamt wurden 101 Polizeibeamte verletzt, davon zwei schwer. Alkohol spielte bei mehr als der Hälfte der Taten eine Rolle und wird als möglicher Faktor für die Hemmschwellenabsenkung genannt.
Sexualdelikte: Steigende Anzeigen bei hoher Aufklärungsquote
Die Zahl der angezeigten Sexualdelikte stieg in Lübeck von 284 auf 344 Fälle, davon 44 schwere Sexualdelikte. In Ostholstein gab es insgesamt einen leichten Rückgang auf 223 Fälle, während die schweren Sexualdelikte von 30 auf 48 Fälle zunahmen. Die Aufklärungsquote bei schweren Sexualdelikten liegt in beiden Regionen bei über 90 Prozent. Die Zunahme wird unter anderem auf eine höhere Anzeigebereitschaft zurückgeführt, die durch öffentliche Aufmerksamkeit, mediale Berichterstattung und den Ausbau der Opferhilfe gefördert wird. Ein großer Teil der Fälle findet im privaten Bereich zwischen bekannten Personen statt.
Messerangriffe: Rückläufige Zahlen nach langjährigem Anstieg
Entgegen dem landesweiten Trend sind die Messerangriffe in der Polizeidirektion Lübeck im Jahr 2025 zurückgegangen. Die Zahl sank in Lübeck um 22 Prozent auf 117 Fälle, in Ostholstein um 8,7 Prozent auf 63 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 84,62 Prozent in Lübeck und über 90 Prozent in Ostholstein. In der Mehrheit der Fälle blieb es bei einer Bedrohung, in knapp 25 Prozent kam es zu einem tatsächlichen Angriff mit dem Messer. Die meisten Täter sind den Opfern bekannt. Das 2024 eingeführte Verbot, Waffen und Messer in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzuführen, sowie verstärkte Kontrollen könnten zu diesem Rückgang beigetragen haben.
Rauschgiftdelikte: Rückgang durch Teillegalisierung von Cannabis
Die Anzahl der Rauschgiftdelikte setzt den seit 2019 andauernden Abwärtstrend fort. In Lübeck sank die Zahl um 16,32 Prozent auf 995 Fälle, in Ostholstein sogar um 46,73 Prozent auf 367 Fälle. Die Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 wird als wesentlicher Faktor für diesen Rückgang angesehen. Gleichzeitig ist bei allgemeinen Verstößen im Bereich Betäubungsmittel in Lübeck ein Anstieg um 13,17 Prozent zu verzeichnen. Im Zusammenhang mit Rauschgift wurden in Lübeck fünf Todesfälle registriert, in Ostholstein zwei.
Häusliche Gewalt: Unterschiedliche Trends in Lübeck und Ostholstein
Die Zahl der angezeigten Fälle von Partnerschaftsgewalt stieg in Lübeck leicht auf 753 Opfer, während in Ostholstein ein Rückgang zu beobachten war. In Lübeck sind ehemalige Lebenspartner am häufigsten betroffen, gefolgt von nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Familiäre Gewalt nimmt in Lübeck ab, in Ostholstein bleiben die Zahlen stabil. Die Dunkelziffer wird als hoch eingeschätzt, da diese Delikte meist im privaten Bereich stattfinden.
Fazit: Stabile Sicherheitslage mit positiven Entwicklungen
Die Polizeidirektion Lübeck bewertet die Kriminalitätslage für 2025 als stabil und sicher. Die rückläufigen Zahlen bei den Straftaten und insbesondere bei den Wohnungseinbruchdiebstählen wirken sich positiv auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung aus. Engagierte Polizeiarbeit, Präventionsmaßnahmen sowie die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger tragen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Einzelne Anstiege in bestimmten Deliktsbereichen sind erklärbar und führen nicht zu einer grundlegenden Trendwende.

