Am 25. März 2026 stellte Polizeipräsident Stefan Müller gemeinsam mit weiteren Führungskräften des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 vor. Die Zahlen zeigen eine insgesamt stabile Kriminalitätslage mit leichten Steigerungen in einzelnen Deliktsbereichen. Die Aufklärungsquote liegt mit 62,5 Prozent weiterhin über dem Bundesdurchschnitt.
Gesamtentwicklung und gesellschaftliche Verrohung
Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten stieg im Vergleich zum Vorjahr marginal um 336 Fälle auf 113.603. Besonders auffällig ist die anhaltende Zunahme von Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen, die vierte Jahr in Folge steigen. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 16.005 Fälle dieser Delikte registriert, ein Anstieg um 1.485 gegenüber 2024. Polizeipräsident Müller sieht hierin eine Folge der gesellschaftlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie und weitere Krisen, die sich in einem raueren Umgang miteinander niederschlagen.
Neues Phänomen: Violence as a Service (VaaS)
Ein besonderes Augenmerk richtete die Polizei auf das Phänomen „Violence as a Service“ (VaaS), bei dem arbeitsteilige Straftaten organisiert und häufig minderjährige Täter aus dem Ausland rekrutiert werden. Im Zeitraum Juli bis September 2025 wurden im Rhein-Main-Gebiet sieben Fälle dokumentiert, darunter Sprengstoffexplosionen und schwere Brandstiftungen mit erheblicher Fremdgefährdung. Die Frankfurter Polizei konnte bereits mehrere Tatverdächtige festnehmen, unter anderem auch im Ausland. Die Ermittlungen zeigen, dass die Rekrutierung der ausführenden Personen inzwischen auch lokal im Rhein-Main-Gebiet erfolgt.
Erfolgreiche Innenstadtoffensive reduziert Straßenkriminalität
Ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit lag auf der sogenannten Innenstadtoffensive, die durch verstärkte Präsenz, Videoschutzanlagen und Waffenverbotszonen unterstützt wird. Diese Maßnahmen führten zu einer deutlichen Reduzierung der Straßenkriminalität, insbesondere im Bahnhofsgebiet. So konnte die Zahl der Straßenraubdelikte dort nahezu halbiert werden, von einem Hoch im Jahr 2023 auf 198 Fälle im Jahr 2025. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 52,2 Prozent, den besten Wert seit Einführung der Statistik für diesen Deliktschlüssel.
Auch die Fallzahlen bei Taschendiebstählen gingen stadtweit um 22,7 Prozent zurück. Im Bahnhofsgebiet wurden 537 Fälle registriert, in der Innenstadt 425. Die Videoschutzanlagen tragen wesentlich dazu bei, Täter zu identifizieren, da viele Diebstähle unbemerkt bleiben und erst später entdeckt werden.
Rückgang bei Messerangriffen und Waffenverbotszonen
Die Zahl der Messerangriffe im öffentlichen Raum verringerte sich von 142 auf 120 im gesamten Stadtgebiet, im Bahnhofsgebiet von 49 auf 42. Die Polizei stellte im Bahnhofsgebiet über 300 Messer sicher, überwiegend bei polizeibekannten Personen mit Bezug zur Drogenszene. Die Waffenverbotszonen im Bahnhofsgebiet und im Vergnügungsviertel Alt-Sachsenhausen gelten als wirksames Mittel zur Prävention und wurden 2025 intensiv kontrolliert.
Bekämpfung des Rauschgiftstraßenhandels mit deutlichen Erfolgen
Im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität konnte die Polizei durch großangelegte Kontrollen und intensive Ermittlungen die Fallzahlen im Straßenhandel von 336 auf 745 erhöhen. Die Gesamtzahl der Betäubungsmitteldelikte sank jedoch um 25,8 Prozent auf 4.152 Fälle, was vor allem auf die Legalisierung von Cannabis zurückzuführen ist. Aufenthaltsverbotsverfügungen im Bahnhofsgebiet werden konsequent durchgesetzt, um den Handel einzudämmen.
Häusliche Gewalt und sexuelle Straftaten auf neuem Höchststand
Die Fälle häuslicher Gewalt stiegen um 10,7 Prozent auf 2.281, wobei 80 Prozent der Opfer Frauen sind. Die Polizei hat hierfür ein spezialisiertes Gewaltschutzkommissariat eingerichtet, das Opfer betreut und Gefährder überwacht, unter anderem durch elektronische Fußfesseln. Auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nahmen zu, insbesondere Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen, mit einem Anstieg von 29,6 Prozent auf 722 Fälle. Die Dunkelziffer wird als hoch eingeschätzt.
Weitere Entwicklungen und Herausforderungen
Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle stieg um 26,6 Prozent auf 1.333 Fälle, was auf organisierte Tätergruppen zurückgeführt wird. Mord- und Totschlagsdelikte gingen insgesamt zurück. Die politisch motivierte Kriminalität verzeichnete einen Anstieg um 12,7 Prozent, insbesondere im Bereich rechtsextremistischer und ausländischer Ideologien.
Besorgniserregend ist der Anstieg von Gewalt gegen Einsatzkräfte, insbesondere gegenüber Polizeibeamten und Rettungsdienstpersonal. Die Zahl der Angriffe auf Einsatzkräfte stieg von 820 auf 955, die Angriffe auf Rettungsdienste um 44 Prozent auf 52 Fälle. Die Polizei arbeitet hier eng mit der Feuerwehr und Rettungsorganisationen zusammen, um Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.
Fazit
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 für Frankfurt am Main zeigt eine insgesamt stabile Kriminalitätslage mit einzelnen Zunahmen bei Gewalt- und Sexualdelikten. Die konsequente Umsetzung von Präventions- und Kontrollmaßnahmen, insbesondere in der Innenstadt, zeigt messbare Erfolge. Dennoch bleiben neue Herausforderungen durch organisierte Kriminalität und gesellschaftliche Verrohung bestehen, denen die Polizei mit spezialisierten Einheiten und enger Kooperation mit anderen Behörden begegnet.

