In einer großangelegten Aktion haben Zoll und Staatsanwaltschaft Kiel am 25. März 2026 umfangreiche Durchsuchungen in mehreren Bundesländern Norddeutschlands durchgeführt. Ziel der Maßnahmen waren acht Beschuldigte aus dem Baugewerbe, die im Verdacht stehen, Sozialversicherungsbeiträge nicht ordnungsgemäß abgeführt und betrügerische Praktiken angewandt zu haben.
Durchsuchungen in vier Bundesländern
Die Einsatzkräfte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Kiel durchsuchten seit den frühen Morgenstunden insgesamt 45 Wohnungen und Geschäftsräume. Die Objekte befanden sich in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit Schwerpunkten in Neumünster, Henstedt-Ulzburg und Hamburg. An den Maßnahmen waren über 330 Einsatzkräfte von Zoll und Steuerfahndung beteiligt. Die Staatsanwaltschaft war mit sechs Vertretern vor Ort präsent.
Verdacht auf Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung
Die acht Beschuldigten – fünf Männer und drei Frauen – stehen im Verdacht, über mindestens fünf Firmen eine Vielzahl von Arbeitnehmern beschäftigt zu haben, ohne diese vollständig oder überhaupt zur Sozialversicherung anzumelden. Zudem wird gegen Teile der Gruppe wegen Steuerhinterziehung und Betrug zum Nachteil der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-Bau) ermittelt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf sogenannten Abdeckrechnungen. Dabei werden Rechnungen verbucht, obwohl keine entsprechenden Leistungen erbracht wurden. Diese Praxis dient dazu, Schwarzgelder zu generieren und illegale Beschäftigung zu verschleiern.
Hoher Schaden für die Solidargemeinschaft
Nach Angaben von Gabriele Oder, Sprecherin des Hauptzollamts Kiel, beläuft sich der bislang geschätzte Schaden für die Solidargemeinschaft und den Steuerzahler auf etwa drei Millionen Euro. Im Rahmen der Durchsuchungen wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt, darunter hochwertige Schmuckstücke, Luxusuhren, rund 400.000 Euro Bargeld sowie Kryptowährungen.
Darüber hinaus wurden zwei richterlich angeordnete Vermögensarreste im sechsstelligen Bereich vollzogen, um Vermögenswerte frühzeitig zu sichern und mögliche Schäden für Sozialkassen und öffentliche Haushalte auszugleichen.
Auswertung der sichergestellten Beweismittel läuft
Die Ermittlungen befinden sich weiterhin in einem laufenden Verfahren. Aktuell werden die sichergestellten Geschäftsunterlagen und digitalen Beweismittel ausgewertet. Ziel ist es, tatsächliche Beschäftigungsverhältnisse, Zahlungsströme und Verantwortlichkeiten innerhalb der Nachunternehmerketten nachvollziehbar zu machen. Erst nach Abschluss dieser Prüfungen kann der genaue Umfang der Verstöße sowie die endgültige Schadenshöhe verlässlich bestimmt werden.
Rechtliche Hinweise und Hintergrund
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Beschuldigten bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig gelten, wie es Artikel 6 Absatz 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention vorsieht.
Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit konzentriert sich insbesondere auf Branchen mit hohem Einsatz von Sub- und Nachunternehmern, wie es im Baugewerbe üblich ist. Solche komplexen Strukturen werden häufig genutzt, um Verantwortlichkeiten zu verschleiern und Sozialabgaben zu umgehen. Die Ermittlungen zielen darauf ab, diese Strukturen aufzudecken, illegale Beschäftigung zu verhindern und die Transparenz in Auftraggeberketten zu erhöhen.
Ausblick
Die Behörden setzen ihre Ermittlungen fort und prüfen die umfangreichen Beweismittel sorgfältig. Weitere Maßnahmen sind nicht ausgeschlossen, sobald neue Erkenntnisse vorliegen. Die Sicherstellung von Vermögenswerten soll verhindern, dass sich Straftaten für die Beschuldigten auszahlen.

