In einer großangelegten Aktion haben Ermittlungsbehörden fünf Personen festgenommen, die im Verdacht stehen, eine bundesweit agierende Bande für sogenannten Faksimile-Betrug zu bilden. Die Tatverdächtigen wurden im Rahmen von Durchsuchungen an 27 Objekten in Hessen, Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg festgenommen. Die Ermittlungen führten Beamte des Hessischen Landeskriminalamtes (HLKA) und des Gemeinsamen Finanzermittlungszentrums (GFEZ) zusammen mit außerhessischen Einsatzkräften durch.
Monatelange verdeckte Ermittlungen und großangelegte Durchsuchungen
Die Aktion begann in den frühen Morgenstunden und umfasste rund 200 Einsatzkräfte. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main leitete die Maßnahmen, die sich gegen vier Männer und eine Frau richteten. Gegen die Beschuldigten lagen Haftbefehle wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs vor. Insgesamt wurden 22 Vermögensarreste über eine Schadenssumme von etwa 11 Millionen Euro vollstreckt.
Modus Operandi der Bande
Nach den bisherigen Erkenntnissen agierte die Bande seit 2022 und hat mindestens 370 Geschädigte betrogen. Das Vorgehen richtete sich vor allem gegen ältere Menschen, denen die Täter vorgaukelten, dass ihre wertvollen Bücher von einem Käufer zu einem überhöhten Preis erworben würden. Um den Verkauf abzuschließen, forderten die Täter Vorauszahlungen für Transport- und Versicherungskosten, die die Geschädigten leisten sollten.
In einigen Fällen wurden die Opfer sogar dazu verleitet, Kredite aufzunehmen, um die geforderten Vorauszahlungen zu tätigen. Die Täter agierten dabei sehr professionell, organisierten sich arbeitsteilig und traten über Scheinfirmen mit Sitz vor allem in Frankfurt am Main auf.
Festgenommene Tatverdächtige und ihre Rollen
Als mutmaßliche Führungsfigur wurde ein 36-jähriger Deutscher aus dem Raum Unterfranken identifiziert. Er soll eine Gruppe von sogenannten „Vertriebspartnern“ angeleitet haben. Drei weitere männliche Beschuldigte im Alter zwischen 31 und 39 Jahren, die türkische Staatsangehörige sind und ebenfalls aus Unterfranken stammen, sollen als Vertriebspartner direkt mit den Geschädigten in Kontakt gestanden haben.
Eine 33-jährige deutsch-eritreische Frau wurde in Frankfurt am Main festgenommen. Ihr wird vorgeworfen, im Rahmen von Callcenter-Tätigkeiten die Opfer kontaktiert zu haben.
Vermögenssichernde Maßnahmen und weitere Ermittlungen
Im Zuge der Ermittlungen wurden umfangreiche Vermögensarreste vollstreckt. Hierzu zählen die Sicherstellung eines Mercedes AMG im Wert von über 200.000 Euro, die Pfändung von 50 Bankkonten sowie zweier Immobilien in Unterfranken. Die Ermittlungen dauern weiterhin an, um weitere Details zur Struktur der Bande und möglichen weiteren Tatbeteiligten zu klären.
Hintergrund: Gemeinsames Finanzermittlungszentrum (GFEZ)
Das GFEZ ist eine dauerhafte Ermittlungseinrichtung, in der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Hessisches Landeskriminalamt und Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main zusammenarbeiten. Ziel ist es, Finanzermittlungen in Fällen organisierter Kriminalität effektiv durchzuführen.

