Der Betrug bei Geldanlagen im Internet stellt auch im Jahr 2026 weiterhin ein erhebliches Problem für die Polizei Northeim dar. Innerhalb der letzten etwa sechs Wochen wurden bei der Polizei mehrere Fälle bekannt, bei denen Geschädigte aus dem Landkreis Northeim einen Gesamtschaden von über 645.000 Euro erlitten haben. Die Betrugsmasche richtet sich vor allem an Personen, die ihr Erspartes mit hohen Renditen vermehren möchten.
Vorgehensweise der Täter
Die Betrugsfälle beginnen häufig mit Werbeanzeigen oder Videos auf Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram. Neuerdings werden auch vermeintliche Informationsvideos bei Google News genutzt. In diesen Clips erscheinen bekannte Persönlichkeiten aus dem Fernsehen, darunter Sandra Maischberger, Maybrit Illner, Markus Lanz, Peter Maffay sowie Teilnehmer der TV-Sendung „Höhle der Löwen“. Hierbei handelt es sich allerdings um manipulierte Inhalte, die mithilfe künstlicher Intelligenz verfälschte Dialoge enthalten. Die dargestellten Personen haben keinerlei Verbindung zu den beworbenen Investmentmöglichkeiten.
Über die in den Videos verlinkten Webseiten geben Interessierte ihre Kontaktdaten preis. Anschließend werden sie von sogenannten Anlageberatern kontaktiert, meist über WhatsApp und oft von ausländischen Telefonnummern, insbesondere aus Großbritannien (+44 …) oder Österreich (+43 …). Die Anrufer sprechen meist Deutsch, teilweise auch Englisch, und versprechen hohe Gewinne bei Geldanlagen.
Manipulierte Gewinne und steigende Investitionen
Die Opfer tätigen zunächst kleinere Einzahlungen, die angeblich innerhalb weniger Tage hohe Renditen abwerfen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geld in Aktien, Anleihen, Kryptowährungen oder besonders verzinste Festgeldanlagen investiert wird. Die vermeintlichen Gewinne existieren jedoch nur auf dem Papier, da die Täter die Online-Investment-Konten manipulieren. Das tatsächlich eingezahlte Geld wird nicht investiert, sondern landet direkt auf den Konten der Betrüger.
Beeindruckt von den scheinbaren Erfolgen, investieren viele Opfer zunehmend höhere Beträge. Die Täter fordern sie auf, weitere Überweisungen zu tätigen, häufig auf unterschiedliche Konten im In- und Ausland. Teilweise eröffnen die Geschädigten auf Anweisung der Betrüger Konten bei Krypto-Börsen, wobei die Täter Zugangsdaten abfangen und so Zugriff auf das Geld der Opfer erhalten.
Auszahlungsversuche scheitern
Die Betrugsfälle werden meist erst dann offensichtlich, wenn die Opfer versuchen, ihre angeblichen Gewinne auszahlen zu lassen. Die Auszahlungen werden mit Verweis auf angebliche Steuern oder Gebühren verweigert. Es werden neue Auszahlungskonten gefordert oder der Kontakt zu den Beratern reißt abrupt ab. Die Webseiten der Investmentangebote sind oft nicht mehr erreichbar, und die Opfer verlieren den Zugriff auf ihr investiertes Kapital.
Polizei warnt vor betrügerischen Geldanlagen
Die Polizei Northeim warnt ausdrücklich vor solchen überdurchschnittlich profitablen Geldanlagen im Internet. Insbesondere sollten Personen misstrauisch sein, wenn sie von unbekannten Beratern aus dem Ausland über WhatsApp kontaktiert werden. Es wird empfohlen, Geld nur an Personen zu überweisen, die man persönlich kennt und deren Angebote man versteht.
Vor Investitionen sollte man Angebote sorgfältig prüfen und gegebenenfalls Rat bei der Hausbank oder anderen vertrauenswürdigen Finanzexperten einholen. Die Polizei weist darauf hin, dass Betrüger häufig mit gefälschten Identitäten und manipulativen Methoden arbeiten, um Vertrauen zu erwecken und zu hohen Investitionen zu verleiten.
Schadenshöhe und Betroffenheit
Die Schadenssummen bei den einzelnen Fällen bewegen sich häufig im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich, in einigen Fällen auch im sechsstelligen Bereich. Die höchste bisher erfasste Schadenssumme liegt nach aktuellen Erkenntnissen im mittleren sechsstelligen Bereich. Die betroffenen Personen stammen aus verschiedenen Altersgruppen, überwiegend aus mittleren bis höheren Altersklassen, die ihr Erspartes vermehren wollten.
Hinweise der Polizei
Die Polizei Northeim bittet alle Bürgerinnen und Bürger, bei verdächtigen Anrufen oder Nachrichten und bei ungewöhnlichen Geldanlageangeboten wachsam zu sein. Im Zweifelsfall sollte man keine persönlichen Daten herausgeben und keine Zahlungen leisten. Verdachtsfälle können bei der Polizei gemeldet werden, um weitere Ermittlungen zu ermöglichen und andere potenzielle Opfer zu schützen.

